Wie Gräben und Wege den Wasserabfluss im Soonwald verändern
Gräben, Waldwege und Rückegassen prägen den Soonwald. Sie erschließen den Wald für die Bewirtschaftung, beeinflussen aber auch seinen Wasserhaushalt. Denn sie fangen Wasser auf, bündeln es und leiten es häufig schnell weiter. Dadurch bleibt weniger Wasser im Wald zurück.
Alte Gräben wirken bis heute
Viele Entwässerungsgräben im Soonwald entstanden im 18. und 19. Jahrhundert. Damals war der Holzbedarf groß, unter anderem für die Eisenverhüttung und die Herstellung von Holzkohle. Die Gräben sollten staunasse Flächen entwässern und damit die Aufforstung und Bewirtschaftung erleichtern.
Auch wenn die meisten Gräben heute kaum noch zu erkennen sind, entwässern sie den Wald weiterhin. Sie reichen teilweise bis in stauende Bodenschichten und fangen Wasser ab, das sonst oberflächennah durch den Boden fließen würde. Über die Gräben gelangt es an die Oberfläche und fließt schneller ab.
Solche Gräben finden sich vor allem dort, wo die Böden von Natur aus stark vernässen. Am Hang des Hölzerkopfs und westlich des Ellersprings ist das Grabennetz besonders dicht.
Die Entwässerung sollte damals die forstliche Nutzung verbessern. Heute gewinnt angesichts steigender Temperaturen und längerer Trockenphasen der Wasserrückhalt im Wald an Bedeutung.
Auch Wege und Fahrspuren bündeln Wasser
Wenn schwere Fahrzeuge den Boden befahren, können sie ihn verdichten. Dabei werden Bodenporen zusammengedrückt und ihre Verbindungen untereinander unterbrochen. Wasser kann dadurch schlechter versickern und fließt verstärkt entlang der Wege und Fahrspuren ab. Besonders empfindlich sind nasse Böden.
Wegekörper können außerdem seitlich zufließendes Bodenwasser aufstauen und an die Oberfläche lenken. Treffen Wege, Rückegassen und Gräben aufeinander, bilden sie zusammenhängende Abflusswege. Auch längst aufgegebene Wege können dazu beitragen, denn Bodenverdichtungen bleiben teilweise über Jahrzehnte bestehen.
Über das vernetzte System aus Gräben, Wegen und Rückegassen gelangt Regenwasser schneller in die Bäche. Dadurch fehlt es im Wald und kann zugleich die Hochwasserentstehung flussabwärts verstärken.
So gelangt das Wasser beispielsweise über den Gräfenbach und den Lametbach in die Nahe. Zusammen mit Veränderungen in anderen Teileinzugsgebieten kann die beschleunigte Wasserableitung zu höheren Abflussspitzen beitragen.
Abflusswege erkennen und Wasserrückhalt stärken
An die Entwässerungsgräben im Wald schließen häufig landwirtschaftliche Drainagen und Gräben an, die das Wasser weiterleiten. Deshalb sollte die Planung von Wasserrückhaltemaßnahmen auch angrenzende Flächen und ihre Nutzung einbeziehen. Entscheidend ist der Blick auf das gesamte Wassereinzugsgebiet – also auf alle Flächen, von denen Wasser in denselben Bach oder Fluss gelangt. So lassen sich Maßnahmen im Wald, auf Äckern und Wiesen aufeinander abstimmen.
Weitere Informationen
Schultheiß, J., & Konold, W. (2025). Forest drainage in the Hunsrück-Hochwald National Park – an integrative approach. Landscape Online, 100, 1140. https://doi.org/10.3097/LO.2025.1140
Tempel, M. & Schultheiß, J. (2015). Historische Entwässerungsgräben im Soonwald und deren Auswirkungen auf die Hochwasserentstehung. Siedlungsforschung. Archäologie – Geschichte – Geographie 34, 2017, S. 375–388
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