Zum Hauptinhalt springen
Foto mit Blick in den Soonwald

Entwässerter Wald

Über Jahrhunderte wurde Wasser gezielt aus dem Soonwald abgeleitet. Heute geht es darum, es wieder länger im Wald zu halten.

Warum wurde der Soonwald entwässert?

Wasser im Wald ist wertvoll – das zeigt sich heute besonders deutlich unter den veränderten klimatischen Bedingungen. Doch über lange Zeit standen in der Forstwirtschaft andere Herausforderungen im Vordergrund.

Mit dem wachsenden Holzbedarf im Zuge von Bevölkerungswachstum, Bergbau und später auch der Industrialisierung stieg der Druck, möglichst viel und schnell nutzbares Bau- und Brennholz bereitzustellen. Die Wälder sollten möglichst produktiv genutzt werden. Gleichzeitig waren viele Waldbestände durch intensive Nutzung stark beansprucht. Um möglichst schnell wieder nutzbares Holz zu gewinnen, setzte man zunehmend auf die schnell wachsende Fichte.

Die nassen und staunassen Böden im Soonwald boten dafür jedoch ungünstige Wachstumsbedingungen. Sie galten als schwierig zu bewirtschaften und wenig ertragreich. Deshalb begann man, vernässte Flächen trockenzulegen und gezielt aufzuforsten. Im Großen Soon lassen sich systematische Entwässerungsmaßnahmen seit 1786 nachweisen.

Die Idee dahinter war also aus damaliger Sicht nachvollziehbar: Wasser wurde aus nassen Böden abgeleitet, damit mehr Flächen forstwirtschaftlich genutzt und höhere Holzerträge erzielt werden konnten.

  • Kartenausschnitt Entwässerung im Soonwald

    Ein dichtes Netz aus Gräben

    Vor allem im 19. Jahrhundert wurde die Entwässerung stark ausgebaut. Haupt- und Seitengräben leiteten das Wasser gezielt aus den nassen Flächen ab. Mit der zunehmenden Verbreitung der Fichte wuchs auch das Grabennetz. Erst in den 1990er Jahren endeten Neubau und Pflege weitgehend. Heute sind allein im Zuständigkeitsbereich des Forstamts Soonwald mehr als 1.000 km Gräben kartiert.

  • Entwässerungsgraben im Fichtenforst

    Die Gräben wirken bis heute

    Auch wenn sie seit Jahrzehnten kaum noch gepflegt werden, sind viele der alten Gräben noch vorhanden und beeinflussen den Wasserhaushalt weiterhin. Bei Regen sammeln sie effektiv Wasser und führen es rasch aus dem Wald ab. Gerade bei Starkregen kann das problematisch sein. In trockeneren Zeiten dagegen fehlt das Wasser in der Fläche.

Nicht nur Gräben entwässern den Wald

Straßen, Wege und forstliche Rückegassen beeinflussen ebenfalls den Wasserhaushalt: auf befestigten oder versiegelten Flächen versickern Niederschläge nur eingeschränkt oder laufen oberflächlich ab. Auf unbefestigten Wegen sind die Böden durch Befahrung verdichtet und das Wasser wird schneller oberflächlich abgeleitet.

Auch historische Wegestrukturen beeinflussen den Wasserhaushalt noch lange, denn die Bodenverdichtung durch frühere Befahrung bleibt je nach Boden über Jahrzehnte oder sogar länger wirksam. So dienen alte Fahrspuren und Wege häufig weiterhin als bevorzugte Abflussbahnen.

Heute soll das Wasser wieder länger im Wald bleiben

Heute hat sich der Blick auf das Wasser verändert. Längere Trockenperioden und Starkregen machen es wichtiger, Niederschlagswasser möglichst lange in der Landschaft zu halten.

Deshalb wurden in den vergangenen Jahren im Soonwald bereits viele Maßnahmen umgesetzt, um den schnellen Wasserabfluss zu bremsen und das Wasser wieder stärker in der Fläche zu halten. Dazu gehören zum Beispiel Wasserabschläge, die Wasser aus Wegseitengräben zurück in den Waldbestand leiten, Retentions- und Versickerungsmulden, Rigolen sowie Maßnahmen an bestehenden Entwässerungsgräben.

Siehe auch: Maßnahmen